Das geistige und kulturelle Erbe der altägyptischen Zivilisation ist uns nicht nur durch ihre Monumentalarchitektur, sondern gleichermaßen durch das komplexe Schriftsystem der Hieroglyphen überliefert, welches auf Wandflächen und Papyri fixiert wurde. Mit dem Verlust des Schlüssels zu diesem Schriftsystem verstummte jedoch die eigene Stimme Ägyptens für einen Zeitraum von 1500 Jahren, wodurch die tiefgründige Geschichte und die Geisteswelt dieser Zivilisation weitestgehend im Dunkeln verblieben. Den Wendepunkt, der dieses lang anhaltende epigraphische Schweigen brach und den Grundstein für die Disziplin der modernen Ägyptologie legte, markierte der im Jahr 1799 im Nildelta entdeckte Stein von Rosette, der denselben Text in drei verschiedenen Schriften wiedergibt. Der vorliegende Beitrag erörtert den Prozess des Vergessens der Hieroglyphenschrift, die Signifikanz der Entdeckung des Steins von Rosette sowie die revolutionären Auswirkungen der maßgeblich durch Jean-François Champollion vorangetriebenen Entzifferung auf das Verständnis der ägyptischen Geschichte.

Das altägyptische Schriftsystem verfügte über eine sophistizierte Struktur, die weit über eine rein piktographische Darstellung hinausging und Logogramme (Zeichen, die Begriffe repräsentieren), Phonogramme (Zeichen, die Laute repräsentieren) sowie Determinative (Deutzeichen zur semantischen Spezifizierung) umfasste. Während dieses System im Verlauf der ägyptischen Geschichte primär für monumentale und sakrale Texte Verwendung fand, wurden für administrative und alltägliche Korrespondenzen die pragmatischeren hieratischen und demotischen Schriften entwickelt. Infolge der kulturellen und politischen Transformationen Ägyptens während der hellenistischen, römischen und anschließend byzantinischen Perioden, einhergehend mit der Ausbreitung des Christentums und der Etablierung des Koptischen (der letzten Entwicklungsstufe der ägyptischen Sprache, geschrieben mit dem griechischen Alphabet), nahm der Gebrauch der altägyptischen Schriftsysteme jedoch sukzessive ab. Die Datierung der letzten bekannten Hieroglypheninschrift auf das 4. Jahrhundert n. Chr. indiziert den Abriss der Tradierungskette dieses Wissens. In den darauffolgenden Jahrhunderten interpretierten europäische Gelehrte die Hieroglyphen zumeist als mystische Figuren mit allegorischer oder symbolischer Bedeutung und verkannten dabei ihr Potenzial als echtes Schriftsystem. Dieser Umstand stellte ein erhebliches Hindernis für das Verständnis der authentischen historischen Narration Ägyptens dar.

Als Auslöser für den Entzifferungsprozess fungierte Napoleon Bonapartes Ägyptenfeldzug im Jahr 1798. Im Verlauf dieser Expedition, die von einem Stab aus Wissenschaftlern und Gelehrten begleitet wurde, entdeckten französische Soldaten im Jahr 1799 bei Schanzarbeiten am Fort Julien nahe der Stadt Rosette (Raschid) eine Stele, die drei unterschiedliche Schriftblöcke aufwies. Dieser Monolith trug im oberen Register hieroglyphischen, im mittleren demotischen und im unteren altgriechischen Text. Die Lesbarkeit des griechischen Parts untermauerte die Hypothese der Inhaltsgleichheit aller drei Textversionen, wodurch das Potenzial des Steins als unschätzbarer Schlüssel zur Dechiffrierung der unbekannten ägyptischen Schriften erkannt wurde. Obgleich der Fund in der gelehrten Welt großes Aufsehen erregte, gelangte das Artefakt infolge der militärischen Niederlage der Franzosen in Ägypten im Jahr 1801 in britischen Besitz und wird seit 1802 im British Museum ausgestellt. Mit der Distribution von Abgüssen und Transkriptionen der Inschriften an die akademischen Zentren Europas begann der Wettlauf um die Entschlüsselung des Hieroglyphengeheimnisses.
Die ersten signifikanten Schritte auf dem Weg der Entzifferung wurden von dem englischen Gelehrten Thomas Young unternommen. Young konzentrierte sich insbesondere auf die Analyse des demotischen Textes, etablierte Parallelen zu dessen griechischen Äquivalenten und erhärtete die Hypothese, dass die Kartuschen, welche die Königsnamen im hieroglyphischen Text umschließen, einen phonetischen Wert besitzen könnten. Durch die Zuordnung von Lautwerten zu einigen Zeichen innerhalb der Kartusche des Ptolemaios erzielte er zwar einen begrenzten Erfolg, vermochte jedoch die grundlegende Struktur des Hieroglyphensystems nicht vollständig zu durchdringen. Der eigentliche Durchbruch gelang dem französischen Philologen Jean-François Champollion. Seine außergewöhnliche sprachliche Begabung bereits in jungen Jahren und insbesondere seine profunde Kenntnis des Koptischen verschafften Champollion einen entscheidenden Vorteil. In dem Wissen, dass das Koptische die letzte Entwicklungsstufe der altägyptischen Sprache darstellte, basierte seine Arbeit auf der Prämisse, dass die phonetischen Elemente in den Hieroglyphen mit koptischen Lauten korrelieren könnten.

Champollions systematische Analyse kulminierte in dem Vergleich der Ptolemaios-Kartusche auf dem Stein von Rosette mit der Kleopatra-Kartusche auf einem anderen Monument. Der definitive Nachweis, dass die in beiden Namen gemeinsam vorkommenden phonetischen Laute (P, T, O, L) durch identische Hieroglyphenzeichen repräsentiert wurden, erbrachte den Beweis, dass die Hieroglyphen nicht rein symbolischer Natur waren, sondern zugleich eine alphabetische und phonetische Dimension besaßen. Ausgehend von dieser Grundlage und unter Heranziehung seiner Koptischkenntnisse begann er mit der Entschlüsselung weiterer Pharaonennamen, Götternamen, des allgemeinen Vokabulars sowie der grammatikalischen Regeln. Champollion legte die komplexe Struktur des Hieroglyphensystems dar, welches logographische, phonetische und determinative Elemente in sich vereinte, und gab seine Entzifferung im Jahr 1822 mit der Veröffentlichung des „Lettre à M. Dacier“ der wissenschaftlichen Welt bekannt.

Hiyerogliflerin deşifresi, Mısır’ın geçmişini inceleyen alan için bir milat olmuş ve modern Mısırbilim disiplininin kurulmasını sağlamıştır. Bu anahtar sayesinde, tapınak duvarlarındaki dini metinler, kraliyet yıllıkları, mezar yazıtları, idari belgeler, edebi eserler ve kişisel mektuplar okunabilir hale gelmiştir. Antik Mısır, artık sadece arkeolojik kalıntılar ve dış kaynakların (Herodot gibi) yorumlarıyla değil, kendi metinleri aracılığıyla doğrudan incelenebilen bir medeniyet haline gelmiştir. Champollion’un başarısı ve Rosetta Taşı’nın sağladığı eşsiz fırsat, binlerce yıllık bir sessizliğe son vererek, Antik Mısır’ın zengin ve karmaşık dünyasının kapılarını aralamış, bu kadim medeniyetin düşünce yapısını, inançlarını ve tarihini kendi kelimeleriyle anlamamızı mümkün kılmıştır.

